Georg Philipp von Wangenheim

* November 1735
+ 1. August 1799 in Walsrode

Generalleutnant und ab 1795 Kommandant des 4. braunschweig-lüneburgischen Kavallerieregiments

Einsatz im Ersten Koalitionskrieg gegen Napoleon (1792-1797)

1799 Beerdigung auf dem Garnisonsfriedhof

1861 Überführung seines Grabdenkmals auf den Stadtfriedhof nach Auflösung des Garnisonsfriedhofs
 

Der Generalleutnant Georg Philipp von Wangenheim entstammte einer Adelsfamilie, die ursprünglich in Thüringen im Landkreis Gotha ansässig war. Bereits 1133 wurde sie dort erstmals in einer Urkunde erwähnt. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts kam der Oberjägermeister Hartmann Ludwig von Wangenheim (1638-1718) in die hannoverschen Lande. Sein ältester Sohn August Wilhelm von Wangenheim (1697-1764) war General und Oberhofmarschall, der jüngere Bruder Georg August von Wangenheim (1706-1780) kurfürstlich braunschweig-lüneburgischer General der Infanterie. Als solcher kämpfte er im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) gegen Frankreich.

Georg August von Wangenheim war zweimal verheiratet. Aus seiner ersten Ehe mit Sophie Caroline Mehmet von Königstreu (1707-1757), Tochter des Ludwig Maximilian Mehmet von Königstreu (um 1660-1726), der als türkischer Kammerdiener am Hof des englischen Königs Georg I. 1716 in den Adelsstand erhoben worden war, und Witwe des Geheimen Sekretärs Johann Conrad Mohr (1688-1733) aus Hannover, stammte der im November 1735 geborene Sohn Georg Wilhelm Philipp. Auch er schlug die militärische Karriere ein und wurde Generalleutnant und 1795 Kommandeur des 4. Kavallerieregiments. Errichtet 1675, wurde es nach der Kapitulation des Kurfürstentums Braunschweig-Lüneburg am 5. Juli 1803 gegenüber der Armee Napoleons aufgelöst.
 
In Harburg stationiert, war Generalleutnant von Wangenheim Mitte Juli 1799 auf dem Weg nach Nenndorf. Im heutigen Bad Nenndorf war 1772 der medizinische Wert einer sich dort befindenden Schwefelquelle erkannt worden. Daraufhin hatte Landgraf Wilhelm IX. von Hessen-Kassel 1787 den „Gutsbezirk Nendorff“ mit Badeeinrichtungen und einem Kurpark gegründet. Die starken Schwefelquellen konnten nun zur Linderung von Rheuma, Gicht und Hautleiden eingesetzt werden. Von ihnen versprach sich wahrscheinlich auch Georg Philipp von Wangenheim Heilung. Während der Reise wurde er aber so schwer krank, dass er in Walsrode Zwischenstation machen musste. Bereits während des Ersten Koalitionskriegs (1792-1797) gegen das napoleonische Heer war der Generalleutnant Ende April 1794 schwer erkrankt, so dass der Generalleutnant Graf Georg Ludwig von Oeynhausen (1734-1811), der später mit dem Gut Bierde belehnt wurde, das Kommando über seine Truppen in Belgien übernahm. In Walsrode logierte er bei Dorothea von Püchler, Ehefrau des Drosten Gottlieb von Püchler (ihre Bestattung im Juni 1815 war die letzte auf dem Garnisonsfriedhof). Dort verstarb Georg Philipp von Wangenheim am 1. August 1799 im 64. Lebensjahr.
 
Da er keine Nachkommen hatte, entschied man sich seitens des Militärs, ihn in einer großen, steinernen Grabanlage mit Gedenkstein auf dem Walsroder Garnisonsfriedhof zu beerdigen (Walsrode war zwischen 1660 und 1817 Garnisonsstadt). Sicher haben dabei auch die klimatischen Bedingungen im Hochsommer eine Rolle gespielt, die keinen langen Transport zu den Gütern seiner Verwandten im Süden Niedersachsens zuließen.
 
Nach der Auflösung des an der unteren Bergstraße gelegenen Garnisonsfriedhofs 1861 wurde – nach Rücksprache mit seinen Verwandten – sein Grabmal auf den erweiterten Walsroder Stadtfriedhof überführt.
 
Dr. Stephan Heinemann
 
Quellen: Akte der Pfarr-Registratur Walsrode (Schreiben von 1799 und 1861), https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_August_von_Wangenheim, https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Ludwig_von_Oeynhausen, https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_kur-braunschweig-lüneburgischen_Regimenter, https://de.wikipedia.org/wiki/Wangenheim_(Adelsgeschlecht), https://www.staatsbadnenndorf.de, Wolfgang Ewig: Porträtbilder des Ludwig Maximilian Mehmet von Königstreu und seiner Nachkommen im Kloster Barsinghausen, hrsg. vom Heimatbund Niedersachsen e.V. – Gruppe Barsinghausen, Barsinghausen 1993, Hans Stuhlmacher: Geschichte der Stadt Walsrode, herausgegeben von der Stadtverwaltung Walsrode, Walsrode 1964.

 

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Foto: Friedhof Walsrode